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Aller Anfang ist nicht immer schwer...

... denn man muss nur wissen worauf es bei der erfolgreichen Kultur von fleischfressenden Pflanzen ankommt.

 

Vorwort

Standort

Kulturgefässe

Substrate

Giessen

 

 

Vorwort


Meine allerersten fleischfressenden Pflanzen kaufte ich damals aus reiner Neugier.  Hierbei handelte es sich um eine Venusfliegenfalle und eine Sarracenia-Hybride. Bis zu dieser Zeit fand ich Pflanzen im allgemeinen als ziemlich langweilig und versuchte es nur einmal mit einigen Kakteen. Doch als sie, mangels "Kultur-Know-how", einfach nicht blühen wollten, dauerte es nicht lange bis sie sich selbst überlassen wurden...

Doch an jenem besagten Tag sollte sich meine Einstellung zu Pflanzen drastisch ändern. Nun geschah es also, dass diese beiden Karnivoren bei mir einzogen. Die Venusfliegenfalle hatte ich schon das eine oder andere Mal gesehen und ich wusste auch, dass sie in der Lage ist Insekten zu fangen und zu verdauen. Diese Tatsache war es wohl auch, welche die Neugier in mir weckte.
Die Sarracenia-Hybride hingegen war mir nicht bekannt. Ich dachte bis zu diesem Zeitpunkt, dass die Venusfliegenfalle die einzige fleischfressende Pflanze sei...

Nun kam es aber wie es kommen musste: Die beiden Pflänzchen gingen ein. Ich wusste nicht wiso dies geschah, hatte ich doch alle Kulturhinweise beachtet, welche auf den Pflegeanleitungen aufgeführt waren. Ich goss sie mit abgekochtem Leitungswasser und stellte sie auch schattig. Sicher können hier jetzt viele mitreden.

Es dauerte nicht lange bis ich einen erneuten Versuch startete. Ich kaufte schon bald drei neue Karnivoren, diesmal eine Sarracenia purpurea, eine typische und eine rote Venusfliegenfalle. Bei diesem zweiten Versuch sollte es nun endlich klappen und ich nahm nun das Internet zu Hilfe und lies die Pflegehinweise auf den Etiketten unbeachtet. Schon nach wenigen Minuten recherche kannte ich nun die Gründe für meinen Misserfolg. Gleichzeitig erfuhr ich von der Artenvielfalt dieser Pflanzengruppe.
Als sich jetzt noch der Erfolg im Umgang mit meinen Pflänzchen einstellte, stieg sowohl das Interesse zu fleischfressenden Pflanzen als auch mein Pflanzenbestand. Letztendlich geriet alles ausser Kontrolle - und wurde zur Sucht.

Doch nun möchte ich die wichtigsten Grundlagen zur erfolgreichen Kultur fleischfressenden Pflanzen geben.

 

Dionaea muscipula

Der richtige Standort


Er ist ein wichtiger Garant für eine erfolgreiche Kultur fleischfressender Pflanzen. Hier entscheidet sich, ob sie gesund und kräftig gedeien oder ob sie nur schwach und missgebildet in die Höhe schiessen.

Es ist unbedingt darauf zu achten, dass Karnivoren oft einen unterschiedlichen Bedarf an Sonnenlicht haben, denn wo sich z.B. eine Venusfliegenfalle wohlfühlt, verbrennen viele Fettkraut-Arten schnell. Daher sollte man sich lieber vor der Anschaffung einer fleischfressenden Pflanze über den optimalen Standort informieren.

Welche Pflanze stelle ich wo auf?

 

Drosera admirabilis

vollsonnig und sonnig


Hier ist ein Standort gemeint, an welchem die Sonne den ganzen Tag hinscheint, also Gewächshaus, Südfenster, Moorbeet oder Terrarium. Pflanzen, welche einen solchen Standort bevorzugen, benötigen im Winter zusätzlich künstliche Beleuchtung. Ausgenommen sind hier winterharte Arten, denn Dionaea und viele Sarracenien ziehen sich zu der Zeit zurück.


Byblis

Cephalotus

Dionaea

Drosera (aber Achtung, Queenslanddrosera (Drosera adelae, Drosera prolifera und schizandra) lieben halbschattige bis schattige Orte, in praller Sonne überleben diese nicht lange.

Drosophyllum

Genlisea

Heliamphora

Roridula

Sarracenia

einige Utricularien

 

halbschattig


Wer seinen Pflanzen z.B. nur ein Ost- oder Westfenster bieten kann, sollte auf diese Auswahl zurückgreifen.

 

Cephalotus

Darlingtonia

Nepenthes

viele Pinguicula-Arten

einige Utricularien

 


schattig


Hierhin scheint sehr wenig bis keine Sonne direkt hin. An einem Nordfenster ist es kaum möglich, Karnivoren zu halten.

 

Pinguicula

 

Nepenthes hybride

Kulturräume

 

Die verschiedenen Arten und Gattungen der Karnivoren stammen aus den unterschiedlichsten Klimazonen der Erde. Dies ist bei der Haltung fleischfressender Pflanzen unbedingt zu beachten.


Pflanzen aus der tropischen Klimazone


Alle tropischen Aldrovanda, Drosera-, Pinguicula- und Utriculariaarten, sowie sämtliche Byblis-, Genlisea-, Heliamphora- und Nepenthesarten sind in dieses Gebiet einzuordnen. Sie alle benötigen für ein zufriedenes Wachstum ganzjährig hohe Temperaturen. Jedoch brauchen einige der aufgezählten Arten nachts eine Temperaturabsenkung um etwa 10°C - 15°C. Dazu gehören z.B. Heliamphoren und Hochlandnepenthes. Dies sollte vor der Anschaffung einer solchen Pflanze beachtet werden.

Zur Kultivierung tropischer Karnivoren kommt man um die Anschaffung eines Terrariums meist nicht herum, denn nur so sind relativ gleichbleibende Temperaturen, optimale Beleuchtung und Luftfeuchtigkeit gewährleistet.

 

Pflanzen aus der Subtropischen Klimazone


Hier sind alle subtropischen Aldrovanda, Drosera-, Pinguicula- und Utriculariaarten, sowie Cephalotus und Roridula gemeint. Bis auf einige Ausnahmen können alle diese Arten ganzjährig durchkultiviert werden, können aber auch bei niedrigeren Temperaturen zwischen 10°C und 15°C eine Winterruhe durchleben. Eine dieser Ausnahmen ist z.B. Cephalotus, denn diese Pflanze sollte bei niedrigeren Temperaturen um die 15°C überwintern.

Subtropische Karnivoren können sowohl in einem Terrarium, oft auch zusammen mit tropischen Arten, als auch am ausreichend beleuchteten Fenster gehalten werden.

 

Pflanzen aus den Mittelbreiten


Pflanzen aus diesen Klimazonen benötigen unbedingt eine mehr oder weniger kalte Winterruhe um dauerhaft ein gesunde und kräftiges Wachstum zu gewährleisten. Hier gibt es zwei Möglichkeiten solche fleischfressende Pflanzen zu überwintern:

Darlingtonia, Dionaea,  winterharte DroseraartenDrosophyllum, Sarracenien und winteharte Pinguicula- und Utriculariaarten können bei Temperaturen zwischen 0°C und 10°C im Haus (Keller z.B.) oder im unbeheizten Gewächshaus überwintern, den Sommer aber gerne im freien oder am ausreichend beleuchtetem Fenster stehen. Für eine Terrarienkultur sind sie nicht geeignet.

In einem Moorbeet/ Gartenteich können alle winterharten Aldrovanda, Drosera-, Pinguicula- und Utriculariaarten, Dionaea und Sarracenien ganzjährig gehalten werden. Doch Vorsicht: Winterhart bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Pflanze einen deutschen Winter überlebt! Informieren Sie sich also am besten vorher.

 

 

Drosera lasiantha Blüte

Substrate


Das richtige Substrat ist, wie bei anderen Pflanzen auch, ein Schlüssel zum Erfolg. Hier bieten sich mehrere Möglichkeiten an, nämlich fertiges Substrat kaufen oder sein eigenes Substrat mischen.

Die wichtigsten Substratbestandteile sind:


Hochmoortorf/ Weisstorf

Quarzsand

Perlite

Vermiculit

Kokosfasern

getrocknetes Sphagnum

lebendes Sphagnum

Hochmoor Bad Klosterlausnitz

Giessen


Fleischfressende Pflanzen vertragen Weder Mineralien noch Kalk, weshalb Brunnenwasser, Leitungswasser und Quellwasser zum Giessen unbrauchbar sind. Oft hört man, dass man abgekochtes Leitungswasser verwenden könne. Dies ist allerdings völliger Unsinn und Todesursache Nummer 1 aller Karnivoren. Ausschliesslich Regenwasser, destilliertes oder demineralisiertes Wasser dürfen zum Giessen verwendet wurden!

Fleischfressende Pflanzen sind abgesehen von wenigen Ausnahmen) Moorpflanzen oder zumindest an ein (Über-)Leben an dauerhaft feuchten bis nassen Standorten, wie z.B. Regenwälder, angepasst. Daher empfiehlt es sich die Karnivoren nicht wie man es von anderen Pflanzen gewöhnt ist zu giessen sondern die Lieblinge so genannte Anstaubewässerung. Dabei wird die Pflanze in einen Übertopf oder irgend einen anderen Untersetzer gestellt und dieser dann etwa zur Hälfte mit Regen- oder destilliertem Wasser gefüllt. Nun wird erst wieder nachgegossen, wenn das gesamte Wasser aufgebraucht wurde. 

Diese Methode sollte aber bei Pflanzen, welche eine Winterruhe benötigen, während einer Winterruhe eingestellt werden und die Pflanzen nur noch leicht feucht gehalten werden, weil sie sonst leicht wegfaulen. 

Ungeeignet für eine Anstaubewässerung sind: 

Cephalotus 

Das Substrat gleichmässig feucht halten.


Darlingtonia 

Ihre Wurzeln verfaulen sehr leicht, ausserdem kann sich das Wasser im Untersetzer sehr schnell erwärmen und die kälteliebenden Wurzeln dieser Art schädigen. Lieber täglich mit weniger Wasser giessen.


Nepenthes 

Im Stauwasser faulen auch hier rasch die Wurzeln weg. Ich giesse Nepenthes, je nach Temperatur, alle ein bis zwei Tage durchdringend, lasse aber überschüssiges Wasser ablaufen.

 

 

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16.02.2012

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Franco Seling

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