Terrarienkultur von Karnivoren

Nachdem ich jetzt einige Jahre Ehrfahrungen ins Sachen "Karnivoren auf der Fensterbank kultivieren" gesammelt habe, wurde es an der Zeit neue Wege zu beschreiten. Schon länger hatte ich den Traum, ein Terrarium für meine Pflanzen einzurichten, nicht zu letzt aus dem Grund neue Arten anschaffen und auch kultivieren zu können.
Leider sind die Anschaffungskosten hierfür enorm hoch und für mich finanziell kaum zu realisieren, denn neben einem entsprechendem Becken werden auch Lüfter, Reflektoren, Leuchtmittel, ... benötigt.


Um nun dieses Projekt zu starten, wollte ich unbedingt ein recht grosses Becken mit den Mindestmassen 80 x 40 x40. Da es ausserdem aus Glas sein sollte wären die Kosten für meine Verhältnisse schon bald ins Unermessliche gestiegen.
Glücklicherweise kam mir "Komissar Zufall" (er heist übrigens Sven und ist ein sehr guter Freund von mir)  zur Hilfe. Aus vergangenen Zeiten war er im Besitz zweier grosser Glasaquarien. Eines , das grössere von beiden, dient jetzt als Terrarium für Leopardgeckos bei ihm (Bei Interesse mal reinschauen). Das andere, meinte er, könne ich gerne haben - dafür noch mal vielen Dank. So gelang es mir, ein günstiges Glasbecken zu bekommen, welches meine persönlichen Mindestmasse mit jetzt 100 x 40 x 40 sogar übertraf.

 

1. Die Abdeckung

Als nächstes hatte ich das Problem, dass ich die zu dem Becken gehörige Abdeckung nicht verwenden konnte, da sie mit nur 2
T8-Leuchtstoffröhren bestückt werden konnte, ich aber 4 T5-Leuchstoffröhren verwenden wollte. Ausserdem fehlten noch aussparungen für die notwendigen Lüfter. Diese aus dem "Kunststoffdeckel" heraus zu arbeiten hatte ich weder die Lust noch das Werkzeug dazu.

Also führte kein Weg dran vorbei, selbst eine Terrariumabdeckung zu bauen. Dies erschien einfacher als gedacht: Ich benutzte einfach eine 3 mm dicke Hartschaumplatte, die ich auf die Passende Grösse mittels eines Messers zuschnitt. Dieses Material lässt sich leicht bearbeiten. Auch die Öffnungen für die Lüfter waren kein Problem

2. Die Beleuchtung

Die Beleuchtung ist das Herzstück eines Pflanzenterrariums. Hier wird über Sieg oder Niederlage entschieden. Hier ist unbedingt zu beachten, die richtigen Faktoren zu beachten (Ich beziehe mich hie auf die von mir verwendeten T5-Leuchtstoffröhren!!!):

  1. Lichtfarbe:

    Um fleischfressende Pflanzen unter Kunstlicht erfolgreich zu halten, sollte man die Lichtfarben, auch Farbtemperatur genannt, 840 und/oder 865 verwenden. Darüber gibt der Kelvin-Wert (K) Auskunft - Die Lichtfarbe 840 entspricht 4000 K, Lichtfarbe 865 entspricht 6500 K.

  2. Lux-Wert:

    Lux ist die Lichtintensität / Beleuchtungsstärke. Die verschiedenen Karnivoren haben unterschiedliche Anforderungen an die Lichtintensität. Pinguicula genügen oft schon 5000 lux, Heliamphora benötigen mindestens 25000 lux. Um herauszufinden wie hoch der zu erwartende Wert ist, bedarf es einer kleinen, simplen Berechnung:

    1Lux (lx) = 1Lumen (lm) : m²

    Wenn wir bedenken, dass mein Glasbecken eine Grundfläche (1,00 m x 0,40 m ) von 0,4 m² besitzt und meine Leuchtsoffröhren je 2950 Lumen (lm), also insgesamt 11800 Lumen liefern ergibt sich folgende Gleichung:

    11800 lm : 0,4 m² = 29500 lx

    Meine Beleuchtung würde also 29500 lux erzeugen. Ein Teil geht durch die Seitenscheiben  verloren, so sollten also noch etwa 25000 lx erhalten bleiben - genug für Heliamphoren, hoffe ich.
    Später sollen die Seitenscheiben noch verspiegelt werden, um dieses sonst verlorene Licht nach innen zu reflektieren.

 

3. Die Belüftung

In einem geschlossenen Raum bzw. Gefäss ist die Schimmelgefahr weitaus höher als z.B. bei der Fensterbankkultur. Auch wenn sich die Schimmelbildung nie ganz ausschliessen kann, ist es jedoch möglich diese Gefahr durch einen optimalen Luftaustausch im Terrarium erheblich zu verringern. Hierzu verwendet man am besten zwei oder je nach Terrariengrösse mehrere Lüfter. Solche lassen sich mit etwas Geschick aus normalen PC-Lüftern selbst basteln, oder man kauft sich fertige Lüfter im Fachhandel oder im Internet.

Um mit den beiden Lüftern eine optimale Luftzirkulation zu erreichen ist es vorteilhaft, wenn sie so installiert werden, dass einer Luft in das Terrarium  und der andere Lüfter Luft vom Terrarium nach aussen bläst.

4. Die Bepflanzung

Um die nächsten Schritte zu planen, sollte man sich spätestens jetzt Gedanken darüber machen, ob man ein Hochland- oder ein Tieflandterrarium haben möchte. Möchte man sich ein Tieflandterrarium einrichten, benötigt sollten im Beckeninneren ganzjährig Temperaturen zwischen 20°C und 30°C herrschen. Normalerweise strahlen die verwendeten Lichtquellen genug Wärme ab, um solche Temperaturen zu erreichen. Anderenfalls können zusätzlich Heizmatten oder Heizkabel verwendet werden, was meist in den Wintermonaten in Kalten Umgebungen (z.B. Keller) notwendig ist. Es ist aber unbedingt darauf zu achten, dass die Temperatur nicht zu stark ansteigt und das Terrarium Überhitzt.


Für ein Hochlandterrarium sind tagsüber 20°C bis 30°C erwünscht. Nachts möchten Hochlandpflanzen eine Temperaturabsenkung um 10°C bis 15°C.

Diese unterschiedlichen Anforderungen an die Temperatur machen es, bis auf wenige Ausnahmen, unmöglich Hoch- und Tieflandpflanzen gemeinsam dauerhaft und erfolgreich zu kultivieren.

Cephalotus, Darlingtonia, Dionaea winterharte Drosera, Drosophyllum, Winterharte Pinguicula, Sarracenia und winterharte Utricularien fühlen sind für Terrarienkultur nicht geeignet!

Letzte Aktualisierung:

 

16.02.2012

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Ich bitte um Ihr Verständnis.

 

Franco Seling

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